Was ist neu an der Alten Musik?

Was ist alt an der Neuen?

Was ist alt an der Neuen Musik?
WDR3 Musikpassagen

Warum ist Alte Musik Neue Musik?
Ein Streifzug von Uli Aumüller

Mit einem Schlag berühmt wurde vor 15 Jahren eine Musik durch einen Film von Alain Corneau mit Gérard Depardieu, eingespielt von Jordi Savall und seinem Ensemble Hesperion XXI. Sie stammte aus dem 17. Jahrhundert von dem Franzosen Mr. De Sainte Colombe und war in einer gleichsam exotischen Randexistenz bisher nur einer Hand voll Alte Musik Spezialisten bekannt. Die spärlich überlieferten Notenmaterialien der Musik aus dieser Epoche - meist wurden Verzierungen oder Bassfundamente erst im Konzert improvisiert - lässt die Frage aufstellen, wie neu doch eigentlich die Alte Musik ist. Die Zahl XXI in Jordi Savalls Ensemble Hesperion deutet es an: Alte Musik gehört und gespielt mit den Ohren und den Ausgestaltungen des 21. Jahrhundert, im Ergebnis also Neue Musik entlang der Modelle alter Meister. Oder ist es bei der im Heute kreiierten Reminiszenz an das schöne und wahre Alte vielleicht nur der Klang der historischen Instrumente, der so viele Menschen fasziniert und die Verkaufszahlen des genannten Filmsoundtracks nach oben schnellen ließ? Aber dieser „alte“ Klang ist wiederum den modernen Aufnahmeverfahren geschuldet - nie zuvor hatte je ein Mensch eine Gambe oder eine Theorbe aus solcher Nähe, aus völlig neuer Perspektiver quasi unter einem Mikroskop hören können. Und zwar darüber hinaus so offensichtlich faszinierend, dass zeitgenössische lebende Komponisten heute versuchen, Neue Musik mit dem Klang der alten Instrumente zu komponieren – wie etwa die Serie von fünf Konzerten „About Barock“ im Auftrag des Siemens Arts Program – oder der Komponist Brice Pauset, , geboren 1965, der seit rund 10 Jahren Klang - und Formmodelle des Barock zum Ausgangspunkt seiner Kompositionen nimmt. Neue alte Musik = Alte neue Musik?

Sendemanuskript

Cast & Crew

Regie
Uli Aumüller
Produzent
Gabriele Faust