Plötzlich ein neues Klangerlebnis 59:00 min

Portrait der Akademie für Alte Musik Berlin aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens

Manuskript

STEPHAN MAI: Hm. Das ist ein Gesellschaftsspiel. Jetzt kommen wir eigentlich zu dem, was auch diese Komposition ausmacht, was dabei herauskommt, das ist eine himmlische Demokratie. Von der wir Menschen träumen: Jeder kann denken und eigentlich laut oder leise sagen, was er will, zu jedem Zeitpunkt, ohne auf – im negativen Sinne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen, im positiven Sinne ist er immer präsent und wird nie jemanden stören.

XENIA LÖFFLER: Man ist nie verletzend, man sagt nichts Falsches.

STEPHAN MAI: Nein, es geht nicht.

RAPHAEL ALPERMANN: Und man wird gebraucht.

XENIA LÖFFLER: Man wird gebraucht.

STEPHAN MAI: Man wird gebraucht. Und selbst in der Pause wird man gebraucht.

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Was Stephan Mai mit diesen Worten beschreibt – mit denen zugleich unser Film beginnt – ist nicht nur seine Sicht auf die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach – sondern zugleich – das war unser Eindruck – der irgendwie utopische Zustand, den das Musikensemble „Akademie für Alte Musik Berlin“ auszeichnet. Jeder ist gefragt, jeder wird gehört, jeder hat seinen Platz. Eine himmlische Demokratie auf Erden – die (wenn überhaupt) nur ein paar wenige Erste unter Gleichen zulässt - das wäre so ein Menschheitstraum – den beim Realisieren barocker Musikliteratur gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen vorderhand erst einmal nicht nahe liegt. Denn der Gedanke der Demokratie war dem Barock, wie Stephan Mai selbst sagt, „wesensfremd“. Aber vielleicht ist´s unter anderem dieser Widerspruch, der die Energie des Ensembles befeuert.

Unser Film erzählt eine Erfolgsgeschichte, die 1982 mit Konzerten im Schloss Köpenick begann und mit Auftritten in der Carnegie Hall noch längst nicht beendet ist. Die Akademie für Alte Musik Berlin, kurz "Akamus", wird international als eine Spitzenformation für Alte Musik bewundert. Die enge Zusammenarbeit nicht nur mit René Jacobs, sondern auch mit Sasha Waltz, dazu das neue Domizil im Radialsystem sichern dem Ensemble Aufmerksamkeit weit über Spezialistenkreise hinaus. Im Film erzählen die Gründungs-Musiker über die bewegende Geschichte ihrer "Akademie" in der DDR und geben einen Einblick in ihre quirlige Gegenwart. Nach wie vor herrscht in dem cheflosen Ensemble ein demokratischer Geist, der die gemeinsame Arbeit zwar nicht einfach, aber umso aufregender macht.

Aus den Materialien der Dreharbeiten entstanden zwei Filme: Zum einen eine einstündige TV-Dokumentation mit Interviews, Musikaufnahmen von 1984 bis heute, Materialien aus dem Privatarchiv des Ensembles – ein Portrait also des Ensembles.

Zum anderen entstand eine 90-minütige Aufzeichnung der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach (BWV 1080) – ein Livemitschnitt des Konzertes vom 28.11.2007 im Radialsystem V Berlin (Generalprobe & Konzert) – in einer musikalischen Einrichtung für 20 Streicher und 4 Blasinstrumente sowie Orgel resp. Cembalo – dieser Film wird in Kürze unter dem Label von harmonia mundi france veröffentlich werden und auch im inpetto shop erhältlich sein.

Mitwirkende:

Musikalisches Konzept & Konzertmeister
Stephan Mai
Bernhard Forck
Xenia Löffler

Bühne & Licht
Folkert Uhde

Violine
Bernhard Forck
Stephan Mai
Erik Dorset
Kerstin Erben
Edburg Forck
Thomas Graewe
Uta Peters
Dörte Wetzel

Bratsche
Sabine Fehlandt
Annette Geiger
Anja Graewel
Clemens Nuszbaumer

Violoncello
Inka Döring
Antje Geusen
Nicholas Selo

Kontrabaß
Matthias Winkler

Oboe
Xenia Löffler

Oboe da caccia
Michael Bosch

Fagott
Christian Beuse

Posaune
Sebastian Krause

Cembalo & Orgel
Raphael Alpermann

Regie & Schnitt
Uli Aumüller

Kamera
Maik Behres
Michael Boomers
Boris Fromageot
Winfried Herrmann
Anette Mock
Sebastian Rausch
Günther Uttendorfer

Toningenieur & Tonmischung
George Morawietz

Kamerassistenz
Mike Breitsameter
Thomas Hamann
Ralf Langenhahn
Steffen Wollin
Technik
Toralf Teschner

Technischer Direktor
Thomas Herda

Lichtmeister
Daniel Brandstäter

Grafik
Stephan Helfrich

Musikdramaturgische Beratung
Lydia Jeschke

Regieassistentin
Ilka Seifert

Produktionleitung
Christiane Seifart

Produktionsassistent
Siegfried Amme

Redaktion
Renate Lieberenz

Ein Koproduktion von
Akademie für Alte Musik Berlin
inpetto filmproduktion
Radialsystem V Berlin
Rundfunk Berlin Brandenburg



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