Jordi Savall - Conversa familial 49:00 min

Gespräch mit der Familie Savall Bellaterra 2003

Arianna Savall
Ferran Savall
Montserrat Figueras
Jordi Savall

conversa familial

A: Als ihr euch kennen gelernt habt und damit begonnen habt, habt ihr gedacht, dass ihr etwas so schönes wie Hesperion schaffen würdet? Oder war das ein Traum, der später kam? Habt ihr von Anfang an den Wunsch gehabt, zusammen etwas Besonderes zu schaffen?
M: Das kann man nicht voraussehen. Als wir uns kennen gelernt haben, mussten wir zuerst viel lernen und uns aneinander gewöhnen, wir konnten nicht voraussehen, was wir machen würden, genauso wie jetzt, wo wir nicht voraussehen können, was wir in der Zukunft machen werden.

J: Das einzige ist, dass wir uns kennen gelernt haben, bevor wir ineinander verliebt waren. Wir haben zusammen Musik gemacht, Montserrat sang und ich habe gespielt. Deswegen haben wir zuerst die Erfahrung gemacht, zusammen Musik zu machen und danach sind wir ein Paar geworden. Jeder konnte sich zunächst sozusagen für sich entwickeln. Erst als wir in Basel studiert haben, haben wir angefangen, zusammen aufzutreten, Montserrat hat gesungen und ich habe die Viola gespielt. Wir haben aber auch zusammen mit anderen Leuten gespielt, es war noch nicht für uns offensichtlich, dass wir unbedingt etwas zusammen machen würden.

F: Aber jeder hat einen Traum. Von daher, als ihr mit 25 oder 26 Jahren angefangen habt, etwas zusammen zu machen, habt ihr nicht einen Traum gehabt? Wurde dieser Traum erfüllt oder habt ihr das Ganze gar nicht erwartet: drei Gruppen zu bilden, eure Musik in der ganzen Welt zu spielen und zusammen so lange zu arbeiten, mit den guten und schlechten Momenten?

M: Ja, wir hatten viele Träumen. Man hat jeden Tag Träume, aber man weiß nicht, ob sie in Erfüllung gehen werden. Man weiß nur, dass man einen Weg mit vielen Überraschungen und einem offenen Ziel beschreitet. Wir hatten aber viele Hoffnungen und einen großen Willen, Sachen zu tun, in unserem Fall bestimmte Musikrichtungen, die in die Vergessenheit geraten waren, zu erneuern und wieder zu beleben. Vergessene Manuskripte zu spielen… Ab dem Moment als wir in Bibliotheken arbeiteten, zuerst in Paris, danach in der Schweiz, im British Museum… haben wir schon einen Weg vor Augen gehabt, aber die konkrete Form dieses Weges war nicht komplett deutlich. Das weißt du erst, wenn alles schon vorbei ist.
F: Ja klar.

J: Ich konnte mir damals nie vorstellen, was wir gemacht haben, sowohl auf der musikalischen Ebene als auch auf der familiären. Unsere Träume damals waren, Musik zu machen, Geld verdienen… aber wir waren in einer Anfangsphase und deswegen war es so schwierig, sich vorzustellen, alles was wir danach erreicht haben. Als wir beispielsweise die Musik für „Alle Vormittage der Welt“ (Die siebte Saite) gemacht haben, wussten wir schon, dass wir etwas Besonderes taten, aber konnten nicht voraussehen, welche Folgen das haben würde. Es war das gleiche als wir zusammen mit Hopkinson Smith oder mit Lars Zappel, mit dem wir Hesperion XX im Jahr 1974 gegründet haben. Das war ein magisches Moment, mit solchen Leuten zu arbeiten, zu recherchieren, neue Programme zu denken… Aber in jenem Moment, was uns interessierte war, mit diesen Personen Musik zu machen und den Sachen auf den Grund gehen. Wir dachten nicht an den Erfolg oder Ruhm, sondern wie wir alles besser machen könnten. Was danach kam, war eine Überraschung. Natürlich haben wir auf ein gutes Ergebnis gehofft, aber es war eine Überraschung.