Genie bin ich selbst 45:00 min

Hanns Eislers Zeit in Berlin von 1925 bis 1933

Kamera: Hermann Dernbecher Ton: Burkhard Zahn Schnitt: Hannelore Höfer
BetaSP – 4/3 – 45min. – stereo

Berlin 1926. Arnold Schönberg siedelt nach Berlin über, um an der Akademie eine Meisterklasse für Komposition zu übernehmen. Er wohnt in einem Hotel am Steinplatz. Schon 1925 war sein Schüler Hanns Eisler ebenfalls nach Berlin gezogen. Er wohnt in einer Pension in der Grolmannstrasse 58, nur ein paar hundert Meter von Schönberg entfernt.

Jedoch kaum ist der bewunderte, hoch verehrte Lehrer in Berlin eingetroffen, kommt es zwischen den beiden zum Eklat, der in einem Briefwechsel dokumentiert ist. Die beiden sprechen nicht mehr miteinander, sondern schreiben sich trotz der räumlichen Nähe vernichtende Briefe. "Mich langweilt moderne Musik", schreibt Eisler. "Ich will mit Moderne nichts zu tun haben." Und: "Auch verstehe ich nichts von der Zwölf-Ton-Technik und -musik." Schönberg spricht von Verrat. Der Kontakt zwischen Lehrer und Schüler bricht über mehrere Jahre ab. Was war geschehen?

Hanns Eisler begann sich von den Zirkeln der Neuen Musik, die er als "luftleere Glasglocke" bezeichnete, abzuwenden und suchte nach einer anderen, populäreren Form der Musik, einer im sozialen Feld bedeutsameren. Es herrschte große Arbeitslosigkeit in Berlin, der Faschismus begann sich auszubreiten. Gleichzeitig war Berlin die Hochburg der "Goldenen Zwanziger Jahre". Amusement allerseits sollte die drückenden Probleme vergessen machen. Eisler sucht Kontakt zu sozialistischen Gruppierungen, versucht eine Musik zu schreiben, die auch ein breites Publikum versteht, eine Musik, die zugleich nicht dumm ist, wie die meisten Schlager, die Musik des Kommerz, des Kapitalismus.

Unser Film über Hanns Eisler, aus Anlass seines 100jährigen Geburtstages, konzentriert sich auf diese Jahre. Eine Phase, die nur vor dem Hintergrund des historischen Zeitgeschehens zu verstehen ist. Es werden die Orte aufgesucht, in denen Eisler (und auch Schönberg z.T.) verkehrten, es werden Zeitzeugen befragt, dokumentarische Aufnahmen Verwendung finden, und weitestgehend das Berlin der Jahre 1925-1933 wieder aufleben zu lassen (vor allem aber der März des Jahres 1926), in denen Eisler den Stil seiner Musik herausbilden konnte, für den er noch heute berühmt ist (sogar der Popsänger STING hat Eisler-Lieder interpretiert).

Andere Aspekte seines Lebens und Schaffens, Eislers Exilzeit, seine Filmmusiken, seine Rückkehr und Wirkung in der DDR, seine Bedeutung für spätere Komponistengenerationen werden als Ausblicke des Filmes Berücksichtigung finden, sind jedoch nicht sein zentrales Anliegen.

Den musikalischen Teil des Films bestreiten Studenten der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin-Mitte, vor allem mit Ausschnitten aus der Zweiten Klaviersonate, dem Palmströmdrama, dem Liederzyklus "Zeitungsausschnitte" bis hin zum "Lied der Arbeitslosen" und der „Reisesonate“ als Abschluss.